„I kumm da goar nimma nauche“ - Eine MTB-Runde mit Thomas Kerner
Nein, diesen Satz hab ich in letzter Zeit nicht von einem
meiner Trainingspartner gehört, der diesen Satz gerade noch mit letzter Kraft aus sich
herauspresst und dann resigniert zurück in den Sattel seines Drahtesels sinkt.
Vielmehr hat ihn doch in letzter Zeit meine Mutter zu mir gesagt , als sie einmal
mehr den Wäscheständer voller Bike-Klamotten abgehangen hat, während ich gerade
versuchte, mich mit dem Helm auf dem Kopf und der Trinkflasche in den Händen
leise aus der Wohnung zu schleichen.
Während sich Korbi und Martin in Lanzarote bei wolkenlosen Himmel und 23°C im Schatten auf die Saison 2012 vorbereiten, sieht es im trüben Deutschland ganz anders aus.
Schnee, Regen oder gar beides gleichzeitig bei -2 bis +2°C und haufenweise Streu-Salz auf den heimischen Straßen. Diese Witterungsverhältnisse sind doch fast schon zu schade für unsere Rennräder und dennoch müssen sich auch die daheim geblieben Buddies auf ihre Saison vorbereiten. Also gilt es für den Rest, ihre Mountainbikes fahrbereit zu machen und diese dann auch dementsprechend zu nutzen.
Gemäß den Leitsatz "Weg von der Straße – Rein in den Dreck!" schreit das
MTB förmlich nach Trails, Pfützen und Schlammlöchern. Auch vernehme ich hin und
wieder leise Stimmen, wenn ich an meinem Kleiderschrank vorbeilaufe. „Mach mich
dreckig“ und „Zieh mich an“ bekomme ich häufig zu hören. Hinzu kommt auch noch,
dass ich diese unschuldig aussehenden, scheinbar sauber glänzenden Brothers
Trikots nicht in meinem Schrank hängen sehen kann. Und somit ist es eigentlich
schnell um mich geschehen und ich sitze schon wieder im Sattel. 
Der Wind bläst und der Regen schlägt mir ins Gesicht. Die ersten 300m befinde ich mich noch auf der Teer-Straße, bevor ich gleich auf eine der sogenannten Forst-Autobahnen abbiege. Bereits nach wenigen Metern hab ich die ersten Dreckspritzen an meinen Beinen und Blut geleckt. Die Schotter-Straße ist leicht abfallend, was die Kurbel deutlich leichter nach unten drücken und die Geschwindigkeit ansteigen lässt. Hat man davon genug, lassen sich auch die leichten Unebenheiten für kurze Jumps nutzen. Nach diesem kurzen Warm-Up fahr ich in den ersten Gegenanstieg hinein. Dass hier nun schon seit einigen Wochen die Waldarbeiter aktiv sind und den aufgeweichten Boden zu einer richtigen Schlammpfütze verwandelt haben, macht selbst das bergauf fahren schon zu einer kleinen Herausforderung.
Natürlich darf bei meiner täglichen MTB-Runde die Kallmünzer Burg nicht fehlen, ist sie doch im Sommer fest in Touristenhand. Im Winter und bei Regen hat man dann seine Ruhe und kann die Aussicht kurz genießen. Doch bevor es zur Burg rauf geht, werde ich noch einige Anlieger bergab mitnehmen. Wenn man die Regenrinnen und Wasserläufe auf der steil abfallenden landwirtschaftlichen Schotterstraße zu nutzen weiß, sind hier sogar größere Sprünge an natürlichen Rampen möglich, welche einem ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Landet man dann noch anschließend im Dreck und man verspürt neben den Grinsen im Gesicht auch die ersten Dreckspritzer, weiß man dass man auf den richtigen Weg ist.
Nachdem man kurz den Ausblick über das Naab- und Vilstal auf der Burg genossen hat, kann man nun den kurzen Trail auf Kallmünz hinein genießen. Dabei kann man es ruhig ordentlich krachen lassen, da bei so einem Schmuddelwetter kaum Wanderer unterwegs sind.
Kaum unten angekommen, geht´s auch schon wieder den alten Dinauer Weg hinauf, von wo aus man auf den neu angelegten Jura-Steig trifft. Von hier aus, kann man je nach Nässe-Gefühl und Kälteempfinden entscheiden wie weit die Runde noch gehen soll. Ich für meinen Teil bevorzuge es noch weiter hinauf, bis zum neu angelegten Sonnenpark in Dinau zu biken. Im Sommer ist das Steilstück auf den Jura-Weg kein Problem, doch bei Laub und glatten Gestein erfordert es volle Konzentration und genug Grip auf dem Hinterrad um nicht absteigen und schieben zu müssen. Ist man dann auf der Dinauer Höhe angekommen. Kann man sich nun entweder für die Trails hinab ins Vilstal – von denen es etliche gibt – oder für eine Tempoeinheit auf der Straße entscheiden.
Hat man sich dann für die Tempoeinheit entschieden, kommen einem entweder kopfschüttelnde oder zustimmend nickende Autofahrer entgegen. Egal, zurück bekommen sie alle ein breites Grinsen meinerseits. Man kann schon sagen, dass man ein bisschen stolz darauf ist, für verrückt erklärt zu werden. Aber ist es nicht gerade das, was es ausmacht, seine Leidenschaft und Überzeugung voll auszuleben?
In meinem Heimatdorf angekommen, wird man lächelnd begrüßt, denn man kennt ja die Vorlieben eines BROTHERS Buddys. Nun plagt man sich also ein letztes Mal einen Anstieg rauf, denn man will ja die Tour mit einem schönen Singletrail beenden. Um dann voller Dreck und komplett durchnässt an der Haustür zu klingeln und die Mutter mit einem Lächeln und Dreck zwischen den Zähnen zu begrüßen.



















